Zwischen Neun und Neun
LiteratureFiction

Zwischen Neun und Neun

by Leo Perutz

Publisher
Independently published
Pages
163
Language
English
Published
2017

Overview

Auszug: ...Abner an den Händen hätt'. Es ist eine ganz dünne Kette, stellte Steffi Prokop fest. Es kann doch nicht schwer sein, die durchzufeilen. Sie stand auf. Vater hat einen Werkzeugkorb. Wart' ein bißchen, ich geh eine Feile holen. Sie kam mit zwei Feilen zurück, einer größeren und einer kleineren. Jetzt mußt du die Kette so straff halten, als du kannst. So ist's gut. Jetzt, rasch. Sie begann, die Stahlkette mit der Feile zu bearbeiten. Und was würde dir geschehen, Stanie, wenn sie dich fänden, fragte sie. Du mußt die Hände ruhig halten, sonst geht es nicht. Zwei Jahre Kerker, gab Demba zur Antwort. Zwei Jahre? Steffi Prokop blickte erschrocken von der Arbeit auf. Ja. Soviel ungefähr. Zwei Jahre Kerker. Steffi Prokop sagte nichts mehr, sondern mühte sich mit wilder Energie, die Kette durchzufeilen; arbeitete, ruhte nicht aus und wurde nicht müde. Ja, sagte Demba. Das ist das Entsetzliche an der Sache. Dieses Mißverhältnis von Schuld und Strafe. Zwei Jahre Folter! Zwei Jahre ununterbrochene Tortur. Still! mahnte Steffi Prokop. Nicht so laut. Sie hören drinnen im Zimmer jedes Wort. Zwei Jahre Folter! sagte Demba leise. Man muß die Sache bei ihrem Namen nennen. Gefängnis, das ist der letzte Rest der Tortur und ihr ärgster. Die kleinen Martern: das Aufziehen und die Daumenschrauben sind abgeschafft, aber die schlimmste aller Folterstrafen, den Kerker, haben wir behalten. Tag und Nacht in einer engen Zelle versperrt gehalten werden, wie ein Tier im Käfig

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